Tokio war außergewöhnlich. Es war wirklich wie ein Rausch, aber mit den entsprechenden Nachwirkungen Abend für Abend. Mein Schädel hat gebrummt, die Ohren haben gefiept und die Augen gebrannt. Es war wie ein seichter Kater nach einer leicht durchfeierten Nacht. Nur hatte dieser sich durch eine Orgie von Neonreklame-Lichtern, die dazu untermalt mit zuckersüß-quietschender und überlaut gespielter J-Pop Musik bemerkbar gemacht. Die besondere Würze erhielt diese einzigartige Geräuschkulisse durch das Rattern und Klirren der Pachinko-Maschinen, was nur von den übermäßig lauten Lüftungsanlagen dieser hochfrequentierten Spiel-“Höllen“ übertönt werden konnte. Abschalten war zumindest am ersten und zweiten Abend gar nicht möglich. Vielleicht war es auch etwas zu viel Akihabara, vielleicht lag es auch an der ungewohnten Umgebung in einem stilechten Ryokan Hotel. Hier wurde auf dem Boden auf einem Futon geschlafen, dass man sich jeden Abend selbst ausrollen und morgens wieder zusammenrollen musste. Eine Erfahrung war es wert, zumal man bereits ab der zweiten Nacht sehr gut darauf geschlafen hat. Selbstverständlich stilecht im Kimono.

Ryokan Wohnzimmer, Schlafzimmer, alles in einem

Ryokan: Wohnzimmer, Schlafzimmer, alles in einem

Wie man sein Futon aufrollt wurde einmal vorgemacht, natürlich in japanischer Perfektion. Eine unerreichbare Perfektion, wie ich schnell feststellen musste. Mein Futon sah jeden Abend aus als hätte sich der Hund darauf ausgetobt und die Laken durch die Gegend gezerrt. Bequem war es trotzdem irgendwie.

Morgens und abends

Morgens und abends

Und seien wir mal ehrlich, wann kommt man schon dazu mal einen Kimono zu tragen? Insbesondere, wenn man sich darin dann irgendwelche abgedrehten japanischen Sendungen anschaut.

Tokio war einfach schräg. Es verging nicht ein Tag an dem ich nicht den Kopf geschüttelt habe. Aber ebenso gab es viel zu lachen und noch mehr zu staunen. Von Automaten, die alle zu bieten hatten, bis hin zu dem bekanntesten Nerd-Stadtteil der Welt: Akihabara.

Akihabara – Nintendo, Manga und Maidcafés

Das Mekka für alle, die es bunt und schräg lieben. Wenn man einen Beitrag im TV über Tokio sieht, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass Akihabara eine große Rolle darin spielt. So stellen sich Viele das moderne Japan vor. Bunt, schrill, verrückt und für die meisten von uns nicht zu verstehen.

Wenige Meter nach der U-Bahn Station wird man willkommen geheißen

Wenige Meter nach der U-Bahn Station wird man willkommen geheißen

Sucht man etwas bestimmtes, sei es im Bereich Manga (wovon ich sehr wenig Ahnung habe) oder Nintendo (schon deutlich mehr Ahnung), dann findet man es hier. Jung und alt schmökern in den Mangashops in einer schier unendlichen Auswahl an schlicht bis aufwändig gezeichnetem Material. Auf mehreren Etagen stapeln sich die neuesten Ausgaben, einige dick wie Telefonbücher. Die erste Frage die man sich fast automatisch stellt: Was geschieht mit all dem Altpapier, wenn diese Bücher nicht verkauft werden? Aber bei all dem Trubel, der dort stattfindet verfliegen sehr schnell due Zweifel, dass die nicht verkauft werden. Jugendliche stehen neben Mittsechzigern und kaufen die selben Comics, wie der gemeine Europäer sie lapidar bezeichnen würden. Aber Manga ist hier mehr als nur ein Comic. Es ist Kultur und berührt offensichtlich die Seelen der Leserschaft. So wie in deutschen Cafés die Tageszeitungen liegen sogar in den Nudelhäusern Tokios Mangabücher zum Lesen aus. Es gehört einfach zu Tokio und Japan dazu.

Von rechts kam schon die Security - Es waren wohl Adultbooks (no photos, Sir!)

Von rechts kam schon die Security – rumalbern bei den Adultbooks ist nicht gestattet („No photo! No Photo!!“)

Man sagt auch die Maidcafés gehören zu Tokio dazu. Man sagt auch, diese sollte man gesehen haben. Auch wenn die Bezeichnung Maidcafé im ersten Moment deutlich nach Rotlicht klingen kann hat sie damit nichts zu tun. Maidcafés sind Cafés, in denen von jungen Mädchen, gekleidet wie Dienstmädchen, nicht nur das Essen serviert, sondern auch hübsch und kawaii (=niedlich) dekoriert wird.

Anleitung für das Maidcafé

Zwischendurch kreischen sie was durch das ganze Café, formen Herzen mit ihren Händen und setzen den Gästen plüschige Tierohren auf. Garniert mit zuckersüßen Posen und spontanen Liedern, die sie auf der Bühne vortragen. Das Hard Rock Café bietet nicht so viel aktives Entertainment. Auf Dauer kann diese Art allerdings auch anstrengen, wie die Gesichter manch eines Gastes verraten. Aber nicht nur Touristen verirren sich in diese Cafés, auch Einheimische (meist) ältere Männergruppen. Fotos machen ist übrigens strikt untersagt, es sei denn man zahlt pro Foto 500 Yen. Dann darf man 1 (in Worten: ein!) Foto mit einem der Maids machen, idealerweise in einer ihrer Posen. Der Amateur erzeugt eine Herzform mit beiden Daumen und Zeigefingern, der Profi macht es der Maid nach. Sieht beides bescheuert aus.

…

Sogar vom Inventar sind Fotos untersagt. Man verpasst allerdings nicht, die Cafés sind entgegen der Erwartungen sehr lieblos gestaltet.
Was ebenfalls strikt untersagt ist und auch geahndet wird, ist die Mädchen auch nur irgendwie zu berühren. Damit sind nicht nur unsittliche Berührungen gemeint, wie man schnell denken würde. Das wird einem ganz deutlich beim betreten des Cafés gesagt und zwar deutlicher und eindringlicher als alles andere. Scheint demnach öfter vorzufallen. Der Name Maidcafé kann bei bestimmtem Publikum halt falsche Vorstellungen wecken. Mein Ding war dieses Maidcafé nicht, die beiden deutschen Mädchen am Nachbartisch hatten deutlich mehr Spaß daran.

Nintendo! Potato! Arrigato!

Was einen technisch interessierten Menschen mit viel Spieltrieb natürlich auf Wolke 7 schweben lässt, sind Läden wie „Super Potato!“, für die Akihabara ebenfalls bekannt ist. Genauso abgedreht wie der Name ist auch das Konzept, wie die Inneneinrichtung: der Handel mit alten Spielekonsolen, gebraucht oder auch neu, selten oder auch verbreitet.

Ich danke der DKB für die VISA Karte.

Ich danke der DKB für die VISA Karte – rechts ein Virtual Boy. Nintendo’s gescheiterte 3D Konsole aus den 90ern

Auf drei Etagen fühlt sich jeder Nerd sofort heimisch, allein beim Stöbern durch die alten Module und Verpackungsschachteln. aPreislich ist ebenfalls für jeden etwas dabei. Aber wer seltene Konsolen oder Spiele sucht muss ein paar Scheine auf den Tresen legen. Dafür wird er aber auch fündig! Alles natürlich gesäubert und aufbereitet. Auch das Gefühl eines Neukaufs kann erzeugt werden, sind einige der Module sogar noch verschweisst. Diese Option kostet allerdings die meisten Yen. Gerade als Freund alter Konsolenspiele möchte man zu viel mitnehmen. Und ich ärger mich bis heute die Metal Gear Solid 1 Limited Edition Premium Package nicht mitgenommen zu haben. Die Ausbeute war dennoch lohnenswert.

Ausbeute.

Mehr zu Akihabara, den SEGA Game Salons mit Mario Games, was japanische Sturheit mit Metal Gear Solid 5 zu tun hat, und einiges mehr erfahrt ihr dann im zweiten Teil meines Japan-Reiseberichtes. Ach ja, ob japanisches Sushi so schmeckt wie in Deutschland erfahrt ihr dann auch.

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Gastbeitrag von Katharina Pavlustyk von journalito

Urlaub ist für viele die Zeit des Abschaltens: Wir lassen die Seele baumeln, gern an irgendwelchen Stränden, bevorzugt in der Sonne, am liebsten (räumlich) weiter weg vom Alltag. Es gibt aber auch Reisen, bei denen wir uns mehr denn je mit den eigenen Überzeugungen und mit uns selbst auseinandersetzen müssen. Auf Verwandtenbesuch in Russland beispielsweise.

Was habe ich mir eigentlich gedacht? So im Nachhinein betrachtet, hätte ich mit den ganzen Fragen rechnen müssen. Denn als 30-jährige Frau, ohne Ring am Finger und ohne Kind bin ich in meinem Geburtsland ein Sonderling. Dazu ernähre ich mich vegan, bin also dort, wo ich geboren bin und neun Jahre meines Lebens verbracht habe, gar ein Sonderling hoch zwei. Seine Lebensweise, die einem ja als das normalste der Welt erscheint, wieder und wieder begründen zu müssen, lässt so einen „Urlaub“ – gut, dass es kein Wellness-Aufenthalt sein würde, war mir klar – zeitweise anstrengend erscheinen.

Und überhaupt, was den Begriff „normal“ angeht, prallen zwischen Deutschland und Russland an der einen oder anderen Stelle Welten aufeinander. Im Mini-Rock und Zwölf-Zentimeter-High-Heels ins Büro? In Russland: normal. Das gesamte Wochenende und oft auch unter der Woche (harten) Alkohol konsumieren? In Russland: normal. Kinder mit der vermeintlichen Existenz von bösen Geistern zu den gewünschten Worten oder Taten nötigen? In Russland: normal.

Nach 21 Jahren in Deutschland ist bei mir nicht mehr viel von der russischen Mentalität, der russischen Seele übrig. Man sagt, die Russen tragen ihr Herz auf der Zunge. Ich denke über jedes meiner Worte mehrmals nach – und spreche vielleicht doch nicht aus, was mir durch den Kopf geht. Aus Vorsicht oder Angst. Ich bin auch eher deutsch, was die Klamottenfrage betrifft. Klar, in früheren Zeiten hat man mich samstags in der Disko wohl auch mit hohen Absätzen und Rock angetroffen. Doch mittlerweile  habe ich Sneakers lieber. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht aber auch daran, dass ich mich assimiliert habe. Schließlich sind Polo-Shirt und Turnschuhe in deutschen Clubs auch an Frauen nichts Ungewöhnliches.

Okay, man kann schon sagen, dass mir das Land, aus dem ich stamme, ein bisschen fremd geworden ist in den vergangenen Jahren. Ich spreche noch die Sprache, ich verstehe die Witze, doch denke und träume ich deutsch. Meine Ansichten sind deutsch geworden. Ich bin eine Fremde in meinem Geburtsland, ein Sonderling.

Und dennoch ist bei Weitem nicht alles schlecht in Russland: Die Freundlichkeit und Herzlichkeit seiner Bewohner sind nicht mit Gold aufzuwiegen, vor allem, wenn es sich um Verwandte handelt, die man neun Jahre nicht gesehen hat. Sie helfen dir in jeder Lage, sie scheuen nicht, dich zu jeder Tages- und Nachtzeit vom Bahnhof oder Flughafen abzuholen. Sie geben dir, was sie haben: Essen im Übermaß (und das ist wirklich nicht übertrieben), Kleidung, gar ihr eigenes Bett zum Schlafen, nur damit der Gast nicht auf dem Sofa nächtigen muss. Sie kümmern sich um dich, wenn du leichte Halsschmerzen hast und sind tief traurig, wenn du sie wieder verlässt. Insofern sind die oben erwähnten russischen Normalitäten ohne Wertung zu betrachten. Was in einem Land Alltag ist, gilt in einem anderen als verpönt, als unhöflich oder unanständig. In Deutschland ist doch auch nicht alles perfekt. Auch hier betrinken sich einige am Wochenende und oft unter der Woche. Auch hier gelten Männer und Frauen als Eltern, obwohl sie diese Bezeichnung nicht verdienen.

Warum also hallen die Fragen meiner Verwandten nach meiner Normalität, nach meinen Entscheidungen so lange nach? Weil ich mich für meine Wahl rechtfertigen musste? Weil meine Lebenswelt in Frage gestellt wurde?  Weil ich sie selbst in Frage stelle? Wer weiß das schon. Gerettet hat mich letztlich Moskau, das Vier-Sterne-Hotel war zwei Tage vor dem Heimflug meine Zuflucht. Vor den Fragen und Gedanken. Und dort, in dieser wunderschönen Metropole mit ihren reich verzierten Fassaden, ihren prunkvoll gestalteten Kirchen und ihren oftmals vollen Straßen habe ich eines verstanden: Bisher habe ich meistens Urlaub von mir selbst gemacht, die Seele baumeln lassen, ich lag bevorzugt in der Sonne, am liebsten (räumlich) ganz weit weg vom Alltag. Doch dieser ist ja ständig da. Er ist nicht anders, wenn der Koffer wieder ausgepackt ist. Insofern: Danke für die Gastfreundschaft, auch wenn ihr das nicht lest, und danke für die Fragen. So bin ich ein Stück näher an mir selbst.

Katharina in Moskau, © Katharina Pavlustyk

Katharina in Moskau, © Katharina Pavlustyk

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Von ihr haben wir alle mal mehr und mal weniger, der Geduld meine ich. Einiges muss allerdings mit der nötigen Geduld betrachtet werden, um einen Abstand dazu zu erhalten, aber auch um diese Dinge reifen zu lassen. Nicht nur Wein und Obst müssen es, sondern vor allem auch unser Verstand muss reifen. Vor 5 Jahren waren wir alle noch ganz andere Menschen mit einer unterschiedlichen Ansichtsweise zu vielen Dingen. Aber auch noch vor einem Jahr war man in einigen Dingen mit ziemlicher Sicherheit anderer Ansicht. So auch ich.

Dieser Blog ist gestartet mit dem Vorhaben Reisen, Technik, Apps bzw. deren Entwicklung als Thema zu behandeln. Der Name des Blogs bringt dies auch schon zum Ausdruck – nerdnomade, ein Nerd ohne Wurzeln. Ich wollte über meine Reisen berichten, über Technikspielzeug oder technischer Entwicklung, und generell darüber, was das alles gemeinsam hat und welche Auswirkungen es auf den Menschen hat. Und dennoch bin ich in der Planung davon bereits abgewichen, ohne es zu bemerken. Auch nicht als ich die ersten Artikel verfasst habe. Und alle weiteren Artikel, die noch auf ihre Veröffentlichung warten, haben nicht wirklich technische Inhalte. Dies hat mich zunächst enttäuscht, denn ich habe nicht das gemacht, was ich (erzwingen?) wollte. Mittlerweile sehe ich das als positiv an.
Daher stand der Blog die letzten drei Monate still. Ich wollte geduldig an die Sache herangehen und mir überlegen wohin es gehen soll. Dazu hatte ich mir vorgenommen vorher keinen Artikel veröffentlichen und gewartet. Auch wenn es nicht leicht fiel und einiges unter den Fingern brannte, so auch ein Gastartikel, der auf Veröffentlichung wartet. Aber so lange ich mir nicht bewusst war, wie es weitergehen soll mit nerdnomade.

Die Auflösung kam dann in den letzten Tagen: Es soll so weitergehen, wie vorher auch. Ich lasse meine Gedanken einfach fließen, wenn ich zwischendurch auch mal was Technisches habe, wird es seinen Weg hier rein finden und falls nicht oder es nicht passt, dann bleibt es halt draußen. Durch das geduldige Abwarten habe ich gelernt mich selbst nicht einzuschränken. Der Streß, den ich mir mit diesem Blog unnötig gemacht habe, war kontraproduktiv.

Erstaunlicherweise kam die Einsicht, als ich mal nichts gemacht habe und diesmal auch nicht verreist bin. Ich habe mich auch nicht erzwungen auf mich und mein Vorhaben konzentriert, sondern einfach mal losgelassen.

geduld

Buddha in Tokio, © Michal Gralak

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Eigentlich wäre dieser Beitrag länger fällig gewesen, aber es ist doch interessanter zu sehen, was im Nachhinein aus einem Interview wird. Spannung pur. Ich bin da etwas nervös, das gebe ich zu, schließlich gibt man nicht oft ein Interview.

Was war passiert? Katharina Pavlustyk vom Blog journalito hat mich im Rahmen ihrer neuen Blogausrichtung ebenfalls befragt. Ihr Blog hat vor einigen Wochen einen Pivot gemacht und befasst sich nun hauptsächlich mit den Lebensentwürfen von „anderen Menschen“. Um Katharina direkt zu zitieren: „Von Träumern, Abenteurern, Andersdenkenden, Anderslebenden. Von Auswanderern, die fern von Deutschland ihr Glück gefunden, von digitalen Nomaden, die sich mehr Unabhängigkeit und Freiheit erkämpft haben.“

Katharina und ich kennen uns seit einiger Zeit. Kennengelernt haben wir uns, als ich mit meinem Kollegen unser Unternehmen „schöngeist“ gegründet haben. Als Redakteurin für die Lippische Landeszeitung hat Katharina einen Bericht über „Jungunternehmer“ veröffentlicht. Diese Zeitungsausgabe habe ich immer noch, obwohl ich weder ein Zeitungsleser bin noch lange irgendwelche Dinge aufbewahre. Aber ein schöner Gedanke irgendwie, dass das alte Interview auf Papier gedruckt erschien und das neue ausschließlich digital.

Katharina das geht direkt an dich: Respekt für deinen Mut diesen Pivot durchzuziehen, dass du versuchst deinen Weg zu gehen und dabei immer so bodenständig geblieben bist. Und danke für das Interview. Ich hoffe wir sehen uns Ende des Jahres in Chiang Mai wieder!

Das Interview könnt ihr hier nachlesen :)

 

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Es gibt sie überall. Die kleinen Dinge, die jedem Erlebnis die gewisse Würze verleihen oder die Erlebnisse erst zu wahren Erlebnissen machen. Aber wenn wir danach suchen, finden wir sie nie. Oft weil wir uns darauf versteifen, uns zwingen wollen sie zu sehen. Die kleinen Dinge im Leben, auf Reisen, bei der Arbeit, in der Freizeit. Überall auf der Welt können wir sie finden, sie sind wie kleine Elfen, die anfangen zu tanzen, wenn wir sie bemerken.
Als ich mal in Krabi in Thailand war wollte ich unbedingt diese kleinen Dinge finden. Ich war es gewohnt, dass sie mir über den Weg laufen. Aber in Krabi war es anders. Die Stadt war nicht wie ich sie mir vorgestellt habe. Es war wenig los in der Stadt, die wenigen Menschen waren nicht wirklich freundlich. Nichtmal das Essen hat geschmeckt, der Tag schien wie verhext. Etwas frustriert machten wir Halt in einem kleinen Café. Ganz unscheinbar in einer kleinen Seitenstraße. Es gab guten Kaffee, was selten in Thailand ist und dazu ein Stück fantastischen Matcha-Kuchen. Und ich liebe guten Kaffee!

Der Matcha Kuchen im besagten Café

Es war aber kein typisches Hipster Kaffee, kein Starbucks-Nachmacher, kein Thai-modern-mix Café. Es war klein, recht dunkel, hatte einen schwarz-weiß gefliesten Boden wie in den 20 Jahren und wunderschöne Bordeaux-farbene Ohrensessel aus Leder. Und das in Krabi Town! Und genau das hat es ausgemacht, es waren diese zwei kleinen Details. Und das hat uns (neben dem guten Kaffee!) so beeindruckt, dass wir nichtmal den Namen behalten haben. Aber noch heute reden wir über das Café mit dem schönen Boden und den wunderbaren, bequemen Sesseln. Und den kleinen eckigen Marmortischen.

„Ampelmännchen“ in Krabi Town

Vor Krabi Towns Wahrzeichen – den Krabben

Entspannt und erfreut, dass Krabi doch nicht so schlecht ist ging es zum Nachtmarkt, für den Krabi Town berühmt ist. Ich gebe zu er war nicht so beeindruckend wie der Nachtmarkt in Chiang Mai und im Gegensatz dazu auch etwas langweilig und bieder. Aber ich bin auch eher Freund des thailändischen Nordens. Nachdem wir den Markt etwas enttäuscht abgelaufen haben blieben wir an einem Tee-Stand stehen. Nicht besonders aufregend dekoriert, nicht aussergewöhnlich viele Teesorten zur Auswahl, aber die junge Verkaufsdame war sehr nett und kommunikativ und sprach perfektes Englisch. Das machte die Kommunikation sehr komfortabel. Unterstützt von vielen Tassen Tee verging die Zeit wie im Fluge. Ich weiß nicht mehr wie lange wir da standen, aber es wurde zunehmend später und dunkler. Die Dame erzählte uns, dass sie lange nicht mehr so ein nettes Gespräch hatte. Sie mag Krabi und den thailändischen Süden ohnehin nicht so. Geboren und aufgewachsen ist sie in Chiang Mai, wo ihre Eltern noch leben. Sie liebt den Norden in Thailand und den Nachtmarkt von Chiang Mai.

So übel war der Nachtmarkt in Krabi Town dann doch nicht.

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Das Buch meiner Wahl in den letzten Tagen war Choose Yourself! von James Altucher. Zum Inhalt möchte ich gar nicht mal viel schreiben. Das Buch sollte man gelesen haben, wenn einen die Themen neues Arbeiten, Persönlichkeitsentwicklung und Ideenumsetzung interessieren. Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen. Aber ein kurzer Absatz, es waren vielleicht drei oder vier Sätze, hat mich stark zum nachdenken gebracht.

Altucher erwähnt in einem Kapitel nahezu beiläufig, warum wir es niemals allen recht machen können. Egal was wir tun und wie sehr wir uns bemühen. Er geht sogar so weit und sagt, dass wir es nur 30 Prozent von unserer Zielgruppe, wie auch immer wir diese definieren, recht machen können. Das ist weniger als ein Drittel.

Wir alle versuchen unser Bestes zu geben, in jeder Situation. Und dennoch stoßen wir doch jedesmal an nahezu magische Grenzen, die wir nicht überwinden können. Nicht nur Grenzen, die wir uns selbst festlegen, sondern auch welche, die wir gar nicht beeinflussen können. Altucher stellt hierzu eine Formel auf. Diese hat er nicht selbst definiert, sondern auch mit auf den Weg bekommen und sie wird auch nicht wissenschaftlich untersucht worden sein. Aber who cares? Es ist die 30/30/30 Regel.

Und diese besagt: 30 Prozent werden lieben was du tust, ganz offen und ohne Bedingungen. 30 Prozent werden es hassen, was du tust, so sehr du dich auch um sie bemühst. Und 30 Prozent ist es total egal was du tust, wer du bist, sie blenden es einfach aus. Unabhängig davon, wer wir sind, was wir tun, was wir im Leben erreicht haben. Es spielt keine Rolle, ob man Bill Gates, Barack Obama, Lady Gaga oder ein namenloser Künstler aus der Nachbarstadt ist. Genauso spielt es auch keine Rolle wen wir ansprechen. Diese 30 Prozent gelten für Jeden. Ob arm oder reich, jung oder alt, berühmt oder berüchtigt.
Altucher gibt auch einen Hinweis, wie man damit umgehen soll:
“Stick with the people who love you and don’t spend a single second on the rest. Life will be better that way.”

Fast schon zu einfach. Konzentriert euch auf die 30 Prozent, denen es wichtig ist was ihr tut, die es zu schätzen wissen, die es mögen und auch daraus ihren Nutzen ziehen werden. Es hat keinen Sinn seine Energie für Schlechtmacher zu verschwenden. Und wenn jemandem ohnehin alles egal ist, sollte man diese Person auch meiden. Klingt im ersten Moment sehr radikal, aber die 30 Prozent, auf die es ankommt, die euch und eure Taten zu schätzen wissen, die sind der Motor. Der Motor für euren persönlichen und beruflichen Erfolg.

Gebt 100 Prozent für 30 Prozent – es ist ein fairer Tausch!

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Großraumbüro. Homeoffice. Café. Co-Working Space. Ganz gleich wo welchen Ort wir uns aussuchen, um unsere Arbeit zu verrichten: wir werden immer abgelenkt. Unfreiwillig, aber (anscheinend) nicht unumgänglich.

Schon eine E-Mail oder ein Anruf lenkt uns von der momentanen Arbeit ab und reisst uns aus dem Gedankenstrom, der unsere ungezähmte Kreativität zu einem funkelndem Gesamtergebnis bündelt. 

Wie soll man damit umgehen?
Gerade der heikle Punkt E-Mails hat bei mir immer eine Reaktion ausgelöst, die durchaus als brennende Neugier umschrieben werden kann. Der Ton, der bei einer eingegangenen E-Mail ertönte, entwickelte sich mit der Zeit zu einem Befehlston. Ein Befehl umgehend die neue E-Mail zu lesen. Und raus war ich aus meinem Gedankenstrom, meinem Tunnel. Für eine E-Mail, die im besten Fall kein Spam war, aber dennoch unwichtig. Irgendwann habe ich zum Test mal nicht sofort auf diese Nachrichten reagiert. Und nichts negatives ist geschehen.
Lange habe ich gebraucht um zu verstehen, dass wirklich wichtige Nachrichten nicht per E-Mail oder Telefon übermittelt werden, sondern persönlich. Mittlerweile habe ich 3 feste Zeiten, an denen ich meine E-Mails lese. Das wissen einige, nun auch einige mehr.
Auch nach Feierabend oder beim Relaxen lese ich keine E-Mails. Das musste ich erst lernen, auch wenn ich immer dachte, dass ich bereits an diesem Schritt angelangt bin. Beim Reisen lese ich E-Mails sporadisch. Ich versuche es jedenfalls zu vermeiden.

Warum ich nach Feierabend oder auf Reisen mein Postfach nicht anrühren möchte? Gerade weil ich da eine andere Ablenkung suche. Man kann sagen ich bin durch eine andere Ablenkung abgelenkt. Nicht von der Arbeit oder von meinen Gedanken. Jedenfalls indirekt. Die besten Ideen entstehen doch immer gerade dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Unter der Dusche, beim Sport, kurz vor dem Einschlafen, beim Träumen (leider vergesse ich diese immer, suche noch einen Lehrer für Traumerinnerungen). Der Grund ist einfach: Wenn wir uns in Gedanken verstricken, uns richtig in eine Sache verbeissen, sind wir in einem unendlichen Tunnel gefangen. Einem Tunnel der Fachidiotie.
Fachidioten sind Individuen, die sich nur in einem Bereich auskennen. Aber darin sehr gut. Die Lösung für die meisten Probleme liegt aber oft in den kleinen und unscheinbaren Ideen, die sich dann als fehlendes Puzzleteil enttarnen.

Viele Menschen, welche die sich als digitale Nomaden bezeichnen oder auch nicht, arbeiten von unterwegs. Von überall auf der Welt. Eben weil diese Ablenkung durch die vielen kulturellen Eindrücke ihrer Kreativität einen enormen Schub gibt. Ob Großraumbüros, Homeoffice, Café oder Co-Working Space. Freiwillige Ablenkung ist die kontrollierte Ablenkung, die durch Disziplin gesteuert wird. Reisen lenkt den Menschen ab. Im Falle von Urlaub lenkt von der Arbeit und vom geführten Leben ab. Das ist in Ordnung.
Aber die, die ihre Arbeit leben, die darin aufgehen. Diese Personen lenken sich von ihren Ideen ab, damit ihnen neue Ideen kommen. Arbeite ich auf Reisen, dann lese ich meine E-Mails. Sonst nicht.
Ich brauche Ablenkung, denn das hält mich geistig wach. War ich in der Schule als „leicht abzulenken“ negativ eingestuft, sehe ich das heute eher positiv. Die Klassenclowns waren immer meine Freunde. Nicht selten war ich auch einer. Niemand hat es mir übel genommen, dass ich sie abgelenkt habe, denn sie hatten gute Noten.

Manchmal ist Lachen die beste Ablenkung.

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Ob du das erste Mal eine Fernreise antrittst oder ob du deine ersten Zeilen Code schreibst. Das Gefühl nicht zu genau wissen, was man da tut und was passieren wird, wenn man einfach mal selbstbewusst weitermacht. Programmieren, ob es einfache Webseiten oder hochkomplexe Anwendungen sind, ist immer wie ein kleiner Ausflug ins Fremde. Zunächst wird geplant wohin es gehen soll. Wir überlegen was wir Programmieren. In meinem Beispiel sind es Apps für iOS – sprich iPhones und iPads. Das gilt übrigens nicht nur für das erste Projekt/erste Reise sondern auch für Folgeprojekte/weitere Reisen.

Punkt 1: Wohin soll die Reise gehen?

Dieser stark nach Kalauer riechende Spruch ist beim ersten Projektmeeting oft eines der ersten Sätze. Aber: es gibt uns eine Richtung vor. Wir entscheiden uns für eine iPhone App, die mit Swift programmiert wird und in knappen 8 Wochen fertiggestellt werden soll. So wie wir den Flug planen, der 60 Tage vorher gebucht wird und uns an unser Traumziel bringt. Wir wissen wieviel Budget wir haben und welche Gesellschaft uns fliegen soll. Wenn es das Budget erlaubt, dann buchen wir gleich die Hotels mit. Oder wir sind abenteuerlustig und sehen uns vor Ort nach einem Hotel oder Hostel um. Wir können auch wahnsinnig sein und davon ausgehen, dass alles inklusive ist, obwohl wir nur den Flug bezahlen wollen. Am Ende stehen wir dann da…

Notiz an meine ehemaligen Kunden: Das war natürlich kein Seitenhieb. Ihr seid selbstverständlich im Vorfeld gut beraten worden! Situation gerettet.

Punkt 2: Wie setzen wir unser Reisevorhaben um?

Anschliessend wollen wir noch unseren Reiseumfang wissen. Machen wir Tagesausflüge? Hängen wir nur am Strand ab? Full-Moon Party? Oder lassen wir uns durch Hanois wunderschöne Cafés im Kolonialstil treiben? Bei der App legen wir fest, was für Umfänge sie haben soll. Was können wir damit erledigen? Was für Funktionen soll sie mitbringen. Beschränken wir uns mal auf die Hauptfunktionen, das kleine Beiwerk soll in weiteren Posts Thema sein. Die App soll das Wetter anzeigen und ermöglichen verschiedene Orte zu speichern, damit wir immer sehen wie das Wetter dort ist. Ihr merkt, dass ich eine App, die jedes Smartphone installiert hat, beschreibe. Das hat seine Gründe. Zurück zum nächsten Punkt.

Punkt 3: Was können wir (vor Ort) so machen?

Gleichzeitig soll die App aber ermöglichen unseren „Freunden“ aus Social Media Kanälen zu zeigen, was für Wetter wir gerade haben und dass wir an Sie denken. Besonders wenn es richtig schön ist und man weiß, dass die Freunde gerade im Büro arbeiten. Absolut ohne böse Hintergedanken.
Äquivalent zum Reisen: Ich mache grad total geilen Urlaub in Thailand/Vietnam/Indonesien/…, schau auf der Karte wie schön es hier ist. Und ich sende dir gutes Wetter ins (kalte) Deutschland mit. Das meinen wir auch nie schadenfroh. Never!

Punkt 4: Sollten wir unsere Freunde daran teilhaben lassen?

So witzig ich vergeblich versuche hier zu sein, es gibt immer ein Ende eines Projekts und einer Reise. Das muss nicht negativ behaftet sein. Wichtig ist hier eine „Lessons learned“ Phase. So auch beim Reisen und dies ist auch der 5. und letzte Punkt. Am Ende versuchen wir das Gelernte zu reflektieren, ob wir wollen oder nicht. Es passiert einfach. Man wird klüger, lernt eine fremde Sprache oder verbessert seine Kenntnisse darin. Und wenn man sich erneut in solch ein Abenteuer wagt klappt vieles besser. Man kennt vielleicht die Sprache und einige Stolperfallen, aber dennoch ist dieser kleine Nervenkitzel einer garantiert bevorstehenden Überraschung immer da.

Punkt 5: Was haben wir gelernt?

Diese metaphorische Reise will ich mit dir liebe Leserin und lieber Leser angehen. Mein erster Post in diesem neuen Blog soll zeigen, wohin es hier gehen soll. Ich entwickle Apps und ich liebe es zu Reisen. Zu beidem werde ich meine Erfahrungen mit euch teilen. Das wird kein Programmierer-Blog, aber jeder der mal seine eigene kleine App machen wollte, wird es auch können. Ob digitaler Nomade, Designer, Schüler, was auch immer. Und wir werden es einfach und schön halten, entspannend und mit vielen schönen Erfahrungen verbinden. So wie das Reisen.

 

Beim Open-Air Friseur in Hanoi

Beim Freiluft-Friseur am Literaturtempel Hanoi

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